In den letzten Tagen haben die Abgeordneten der SPD-Fraktion viele Schreiben in dieser Angelegenheit erreicht, wie den folgenden:
„Sehr geehrtes Abgeordnetenbüro-Team,
ich fordere Sie nachdrücklich dazu auf, unverzüglich ein Abrissmoratorium für das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) Berlin zu verabschieden, damit ein Abriss durch die WBM nicht parallel zur Sitzung des Ausschusses am Montag startet und weitere Tatsachen geschaffen werden, bevor eine umfassende sachliche Debatte stattgefunden hat.
Das SEZ ist ein bedeutender Bau der Ostmoderne und der Architekturgeschichte Gesamtberlins sowie ein herausragender Vertreter des Typus Sport- und Erholungszentrum („Spaßbad“) der 1980er Jahre, der in dieser vergleichbaren Form in Deutschland einmalig ist. Als stadtbildprägendes Zeugnis einer sozial- und freizeitorientierten Baukultur der DDR spiegelt es nicht nur eine bestimmte Epoche wider, sondern dokumentiert auch planerische und technische Ambitionen jener Zeit, die in ihrer Gestalt und Konstruktion bis heute auf hohe bauhistorische und architektonische Qualität verweisen.
Aus denkmalpflegerischer Sicht ist der Erhalt des SEZ besonders wichtig, weil:
- das SEZ als seltenes und aussagekräftiges Zeugnis der Ostmoderne und der High-Tech-Architektur in der DDR gilt, dessen Formensprache und Materialität für die bauhistorische Forschung von Bedeutung sind.
- Bauten dieser Epoche zunehmend selten werden, da ähnliche Zeugnisse der DDR-Moderne in Berlin und anderswo bereits verloren gegangen sind. Denkmalpflegerisch spricht gerade diese Seltenheit für einen dokumentierten Erhalt oder eine behutsame Transformation.
- selbst der Landesdenkmalrat Berlin in einer offiziellen Stellungnahme betont hat, dass die geschichtliche Bedeutung der Anlage denkmalwürdig sein kann und dass Aspekte wie öffentliches Interesse und Seltenheit vergleichbarer Bauten stärker zu berücksichtigen sind. Zugleich wurde darauf hingewiesen, dass die Erhaltungswürdigkeit auch ohne formalen Denkmalstatus bejaht werden kann – gerade als wichtiges bau- und kulturhistorisches Anliegen.
- eine Vielzahl von Fachleuten aus Architektur, Denkmalpflege und Kulturerbeforschung in einem offenen Brief an die Stadtverwaltung vor kurzem den Wert des SEZ hervorgehoben und den Erhalt als einzigartige städtebauliche Ressource gefordert hat.
Nach der Schließung des „Blub“ in Neukölln droht hier weiteres sozial-, sport- und gesundheitspolitisches Tafelsilber der Stadt vernichtet zu werden, anstatt ein langfristiges Signal für eine nachhaltige Baupolitik zu senden, die Erhalt, Sanierung und den Respekt vor bedeutenden Leistungen der DDR-Architektur in den Mittelpunkt stellt. Die Signalwirkung eines Abrisses wäre fatal – nicht nur für das Bauen der Nachkriegsmoderne, sondern auch für den Umgang mit weiteren stadtbildprägenden Bauensembles jener Zeit.
Deshalb ist ein Erhalt des SEZ unbedingt geboten, wie es von zahlreichen Akteurinnen der Stadtgesellschaft, Initiativen und Architektinnen gefordert wird.
Außerdem verweigert Parlamentspräsidentin Seibeld nach wie vor der Mehrzahl der angemeldeten Gäste den Zugang zur Ausschusssitzung am Montag, obwohl Grüne, Linke und SPD eine Verlegung in den Plenarsaal verlangen. Damit zeigt die CDU, dass das Abgeordnetenhaus, anders als auf der Webseite behauptet, doch kein „offenes Haus“ ist und offenbart in dieser Willkür ein wirklich eklatantes Demokratieverständnis. Ermöglichen Sie bitte allen Interessierten den Zugang zur Sitzung, um ihre demokratische Teilhabe zu gewährleisten.
Mit Bitte um persönliche Antwort und besten Grüßen“
Bei den beiden letzten Koalitionsbesprechungen zu diesem Thema habe ich für die SPD-Seite angeregt, dass entweder der Plenarsaal gewählt wird oder ein anderer großer Raum im Abgeordnetenhaus zu einer Übertragung, damit Bürgerinnen und Bürger nicht nach Hause geschickt werden. Vielleicht überdenkt die Präsidentin ihre Entscheidung noch einmal.
Mein Kollege Mathias Schulz hat sich bei der Senatsverwaltung Stadtentwicklung rückversichert, dass kein Abriss parallel oder vor der Sitzung gestartet wird. Vorbereitungsarbeiten dazu finden aber seit einiger Zeit statt.
Sanierung für einen Schwimmbetrieb a la Ost-Blubb halte ich weder sachlich noch finanziell für möglich, das hat der private Investor über lange Jahre „vergurkt“ trotz seiner permanenten Zusicherung, dort einen Badbetrieb zu ermöglichen. Zudem befindet sich in der Nähe des ehemaligen SEZ (wenn auch in einem anderen Bezirk) ein großes Schwimmbad und am Holzmarkt soll dieses Jahr der Bau eines größeren Ersatz-Bades für das seit einiger Zeit geschlossene Hallenbad beginnen.
Was ich allerdings persönlich für möglich halte, ist, die Eingangshalle mit allen Masten für eine andere oder mehrere Sportnutzungen zu sanieren. Die angestrebte Zahl der Wohnungen lässt sich durch ein relativ hohes Gebäude dahinter und eine Randbebauung zu den Straßen erreichen. Es verbleiben dann zwar etwas weniger Freiflächen auf dem Gelände, aber die (kommerziellen) Sportnutzungen können durchaus eine Attraktion in der Zukunft werden.
Nach dem Stand der Dinge steht der Senat solchen Überlegungen kritisch gegenüber und beabsichtigt den bisherigen Bebauungsplan umzusetzen. Vielleicht bringt die Diskussion am Montag neue Erkenntnisse.
Mit freundlichen Grüßen
Matthias Kollatz