32. Roter Tisch

Corona bringt vieles durcheinander. Auch unsere bekannte und beliebte Veranstaltungsreihe „Der Roter Tisch“ musste Corona bedingt kurz pausieren. Wenn auch in etwas veränderter Form wurde die Veranstaltungsreihe mit diesem Roten Tisch im Mai wieder fortgesetzt. Um den nötigen Sicherheitsabstand zu wahren, fand der Rote Tisch online als Videokonferenz statt. Als Gast konnte  Matthias Kollatz  Innensenator Andreas Geisel begrüßen. Als Innensenator ist Andreas Geisel sowohl für die Durchsetzung der Corona Regeln als auch für die Verwaltung zuständig.

Im ersten Teil des Roten Tisches standen die Veränderungen der Verwaltung im Blickpunkt. Das Publikum hatte im zweiten Teil viele Fragen zu den Corona-Maßnahmen und den Mitteln und Wegen wie der Senat die Stadt möglichst gut durch diese Krise bringt.

Durch die Pandemie werden verstärkt digitale Mittel des Arbeitens und der Kommunikation angewandt. Auch die Berliner Verwaltung musste sich innerhalb sehr kurzer Zeit anders aufstellen. Hier wirkte die Pandemie als Katalysator für die Digitalisierung. Der dezentrale Online-Zugang der Beschäftigten zu den digitalen Netzten der Verwaltung wurde deutlich ausgeweitet. In Hochzeiten befanden sich 80 Prozent der Beschäftigten im Home Office und 20 Prozent arbeiteten vor Ort. Insgesamt konstatiert Innensenator Geisel, lief die schnelle und großflächige Umstellung auf Home Office gut. Die Pandemie macht die Notwendigkeit der Digitalisierung offensichtlich und führt auch in den Reihen der Verwaltung zu mehr Offenheit und dem besseren Erkennen der Vorteile. So lässt sich durch Home Office und dezentrales Arbeiten Familie und Beruf leichter vereinbaren. Allerdings läuft die Umstellung auf mehr digitales Arbeiten nicht erst seit Corona. Durch mehr jüngere Beschäftigte entstehen auch neue Ideen und die Umsetzung wird beschleunigt, da die Jüngeren eine größere Affinität mitbringen. Gleichfalls gibt es auch verschieden Projekte. Matthias Kollatz berichtet, dass in der Senatsverwaltung für Finanzen erste Co-Working-Spaces eingerichtet wurden. Einige Mitarbeiter haben dann keine festen Büros mehr, sondern können sich einfach mit ihrem Laptop an einen freien Schreibtisch setzen. Dies wurde von den Mitarbeitern sehr positiv aufgenommen.  Viele neue digitale Möglichkeiten werden auch nach Corona genutzt werden. Gleichwohl bleibt die Digitalisierung eine herausfordernde Aufgabe. Die Berliner Verwaltung hat über 100.000 Beschäftige, für die auch die entsprechende Hardware und neue Software angeschafft werden muss.

Die Digitalisierung wird nicht nur intern vorangetrieben. Die Bürgerdienste und Verwaltungsdienstleistungen werden mehr und mehr digitalisiert. Derzeit sind es bereits über 100 verschiedene Dienstleistungen. Die Bürger müssen dann nicht mehr immer vor Ort zum Amt kommen.  Allerdings werden bestimmte Dienstleistungen wie bspw. die Beantragung eines Personalausweises, spätestens beim Abholen zur Identifikation, nicht ohne einen Termin vor Ort beim Bürgeramt auskommen, so Innensenator Geisel.

Im weiteren Verlauf des Roten Tisches wurde der grundsätzliche Umgang des Senates mit der Corona-Pandemie thematisiert. Der manchmal kritisierte Föderalismus konnte hier eine seiner Stärken ausspielen. Abgestimmt mit der Bundesebene  und den anderen Bundesländern wurden in Berlin sehr schnell Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie eingeleitet. Andererseits konnte der Senat aber auch auf die besondere Situation Berlins als 3,7 Mio. Stadt eingehen. Die Berliner halten sich aus Sicht des Innensenators gut an die Regeln. So wurden wenige Verstöße registriert. Dort wo Verstöße vorliegen, müssen sie natürlich zum Wohle aller auch geahndet werden. Ehrlicherweise lässt sich eine so große Stadt wie Berlin nicht überall mit Polizei überwachen, um das Einhalten der Corona-Regeln zu kontrollieren. Daher ist das Erklären und Verstehen sehr wichtig, damit die Bürgerinnen und Bürger die Regeln aus Überzeugung und freiwillig einhalten. Deswegen braucht es auch Perspektiven wie unter Einhaltung der Hygiene-Maßnahmen eine schrittweise Öffnung und Hochfahren des öffentlichen Lebens wieder möglich wird. Großveranstaltungen werden auch in absehbarer Zeit nicht durchgeführt werden können. In anderen Bereichen ist mehr Offenheit möglich.